Land und Leute

Am Flughafen läuft alles wieder planmäßig und reibungslos. Die Transfer-Fahrer stehen in der Lobby (Ankunftshalle) für unsere Gäste bereit und dürfen auch direkt am Flughafen parken. Die Präsenz des Militärs ist sichtbar, aber ich empfinde dies nicht als Bedrohung oder gar unangenehm! Sie sind überaus freundlich zu den Reisegästen. Die Fahrt im Auto Richtung Süden verlief ohne jegliche Störungen durch belebte Straßen im Vorort von Colombo und über einen gut frequentierten Express Way. Ich habe den großen Samstags-Markt in Dickwela an der Südküste besucht, in Aluthgama an der Westküste öffnete mein Moneychanger wie üblich sein Office. Am Strand von Bentota konnte ich einen schönen Strandspaziergang bei Sonnenuntergang in aller Ruhe und nahezu alleine genießen. In jeder Minute meines Aufenthaltes fühlte ich mich sicher wie immer und die Bevölkerung ist ausgesprochen freundlich und hilfsbereit.

Natürlich fehlen die Touristen - das spürt man überall! Die wenigen Gäste der kleinen Ayurvedaeresorts sind selten auf der Insel unterwegs, sondern ziehen sich zur Erholung ins Resort zurück. Ich konnte mit meinem Stammfahrer Roshan ausführlich über die Situation im Landesinneren sprechen, weil er gerade von einer Rundreise mit Kunden zurückkam. Auch dort ist alles ruhig und man ist zum Alltag zurückgekehrt. Die Kultur-Highlights der Insel kann man nun in aller Muße und ohne Massenandrang besichtigen. Es gibt derzeit nur Gruppen aus China und Indien, die einen Quicktrip durch Sri Lanka erleben, und einige Backpacker aus der ganzen Welt. Nach meinem ersten Besuch in Sri Lanka im Jahr 1978 folgten viele Besuche bis heute. Ich war und bin immer fasziniert von der Vielfalt der Insel und dem ganz besonderen Zauber in diesem buddhistischen Land. Aktuell spüre ich wieder den Pioniergeist in mir, ähnlich wie bei meinen früheren Reisen zwischen 1980 und 2010. Hier gibt es keinen Massentourismus der an anderen Hotspots in Europa oder Asien so manche Kapazitätsgrenze sprengt. 

In vielen Gesprächen mit den Sri Lankern vor Ort erfahre ich auch von der Not einzelner Familien, die unbedingt durch den Rückgang des Tourismus mit einem sehr geringen Einkommen auskommen müssen oder sogar für 2-3 Monate Ihre Anstellung verloren haben. Der wirtschaftliche Einbruch zieht weite Kreise, weil eben nicht nur Hotels und Restaurants schließen, sondern auch die Malls in Colombo, Lieferanten für Wäsche, Gemüse und Fleisch betroffen sind. Einige laufende Baustellen sind eingestellt worden, also sind auch Handwerker involviert. Manche Menschen leben derzeit von 75 € im Monat und sind zudem verantwortlich für Eltern und Geschwister, die selber keiner Arbeit nachgehen können. Das Fazit aller Gespräche war: Wir wollen in Frieden mit allen Religionen vor Ort leben und man vertraut auf die kommenden Monate! Alle sind fest überzeugt, dass bald wieder viele Gäste die reizvolle Insel Sri Lanka besuchen werden und sich in dem friedlichen Land wohlfühlen. 

Der Terrorismus ist heute ein internationales Phänomen. Er betrifft Industriestaaten genauso wie Entwicklungsländer. Ob Marokko, Bali, Paris oder Berlin: Die Gefahr ist überall vorhanden. Es wird also immer und überall auf der Welt für uns ein Risiko blieben, unser Leben zu verlieren. In diesem Bewusststein scheint auch Seneca im alten Rom gelebt zu haben, denn er war überzeugt:

"Wie sollten die Wechselfälle des Lebens noch Verwirrung stiften, wenn man voll innerer Sicherheit gegenüber allen Unsicherheiten ist?"

 

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